A Holistic Business – YIN & YANG

A revolutionary approach to balance a

thirsty capitalist system and

our exhausted bodies.

Die neue Zeit und unsere Körper fordern uns auf, ein Gleichgewicht in unsere Arbeits-Systeme zu bringen.


Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit im Head Office eines grossen Detailhandelskonzerns. Mehrere Jahre arbeitete ich in Basel als Visual Merchandiser und schrieb visuelle Konzepte. Mehrmals pro Woche sassen wir in einem der vielen Aquarien – einem gläsernen Sitzungszimmer – und hielten wichtige, ja sehr wichtige, Besprechungen. Es ging immer um das Gleiche: mehr Umsatz, mehr Reichweite, mehr Wachstum – höher, weiter, schneller. Wir sollten skalieren, automatisieren, optimieren und unsere Arbeit messbar machen.

Schon damals war mir dieser Ansatz zuwider – ja, fast schon lächerlich. Während wir stundenlang über unbedeutende Details diskutierten, dachte ich oft: Habt ihr euch eigentlich mal die Welt angesehen? Sie braucht alles alles andere – als noch mehr Produkte aus Fernost mit einer 89 % Marge.

Rebellisch war ich schon immer. Doch dort, in diesem Grossraumbüro, neben dem „Aquarium“, begann mein holistisches Bewusstsein zu erwachen. Wie kann ich als Individuum kreativ arbeiten, ohne dass mich diese umsatzorientierte Welt meine Seele aussaugt?

Ich begann zu atmen: Auf dem Weg zur Arbeit, wenn ich unter den Bäumen über den Wettsteinplatz ging. In der Mittagspause vor dem grauen Gebäude. Selbst auf der Toilette – mit ein paar Dehnübungen, die mich für einen Moment zurück in meinen Körper holten.

Langsam erwachte eine innere Spaciousness. Bis zu dem Tag, an dem ich die Firma verliess. Ohne Plan. Ohne Erspartes. Heute würde ich mir raten, es anders zu machen – so, dass es für mein Nervensystem entspannter ist. Doch damals schickte ich mich buchstäblich ins Blaue. Ein typischer ADHS-Move, wie ich heute besser verstehe. Aber das ist eine andere Geschichte.

Seither bin ich in meiner Selbstständigkeit durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Ich habe Herausforderungen angetroffen, mich selbst und meine Arbeit immer wieder hinterfragt – und dabei auch meinen Körper kennengelernt. Heute befinde ich mich auf dem Weg, noch tiefer in diese Forschung einzutauchen:

Wie können wir ein Arbeitssystem entwickeln – besonders in der Selbstständigkeit – das sowohl im Einklang mit unserem inneren Wesen als auch mit den äusseren Anforderungen von Erfolg und Umsatz steht?


Ein holistisches Business ist weit mehr als eine Geldmaschiene.

Es ist ein lebendiges, atmendes System.

Der holistische Business-Ansatz – ist eine Arbeitsweise, die dein Business als Ökosystem betrachtet, das im Einklang mit deinen natürlichen Rhythmen, deinem Nervensystem und deinem inneren Wachstum steht.

Ein holistisches Arbeitssystem verbindet:

Struktur mit Vertrauen – klare Strategien, die sich mit der Intuition vereinen.
Wachstum mit Nachhaltigkeit – Entwicklung ohne sich selbst oder seine Werte zu verlieren.
Zyklen & Selbstregulation – Pausen und Rückzug gehören zur Produktivität.

Statt auf Hustle setzt ein holistisches Arbeitssystem auf intelligentes, regeneratives Arbeiten. Es erlaubt Expansion & Rückzug, es lebt von echter Verbundenheit mit dem Selbst. Die Konkurrenz schwindet aus dem Blickfeld und wird zur Inspiration. Erfolg wird nicht nur in Zahlen definiert, sondern an der Freude, dem Sinn und der Wirkung, die die Arbeit mit sich bringt.


Phase 1: Ein Bewusstsein für YIN entwickeln

In der ersten Phase, in der wir uns mit dem holistischen Business auseinandersetzen, kommt das Bewusstsein für den YIN-Part – den sanften, zyklischen, femininen und regenerativen Teil.

Dieser Aspekt macht einen grossen Teil der Bewusstwerdung aus, weil er in unserer leistungsorientierten Arbeitsgesellschaft oft ignoriert wird. Wir sind darauf trainiert, ständig zu funktionieren, immer „ON“ zu sein, mehr zu leisten – doch wann nehmen wir uns die Zeit, wirklich wahrzunehmen?

Das YIN bringt uns zurück in den Körper. Es lehrt, zuzuhören:

Wann überschreite ich meine eigene Grenze?:

  • Wann fordere ich zu viel von mir? Und wie antworte ich darauf?

  • Wann höre ich nicht auf meine innere Stimme? Wie komme ich wieder in meinen inneren Raum?

  • Wann schlägt mein Körper längst Alarm, aber mein Verstand überhört ihn?

Es gehört dazu, bewusstes Wahrnehmen zu lernen. Es bedeutet, sich dem natürlichen Zyklus hinzugeben – dem eigenen, wie der täglichen Energie oder dem Menstruationszyklus, aber auch den grösseren Rhythmen von Natur, Mond und Jahreszeiten. Es bedeutet, das Prinzip der Ruhe nicht als Stillstand, sondern als essenziellen Teil eines zyklischen Systems zu verstehen.

Der YIN-Part ist nicht nur Erholung – er ist der Hummus, in welchen die Wurzeln nachhaltig schlagen können. Ohne YIN kein YANG. Ohne Regeneration keine kreative Power. Ohne Stille keine Klarheit.

Diese Phase der Bewusstwerdung ist meist herausfordernd, weil sie uns dazu auffordert, täglich und in jedem Moment wachsam hinzuhören. Dies verlangt eine stetige Achtsamkeit. Und schliesslich auch alte Muster loszulassen – zum Beispiel den Glauben, dass nur das „Tun“ wertvoll ist. Doch wenn wir diesen Shift zulassen, entsteht eine völlig neue Art des Arbeitens: eine, die uns nicht auslaugt, sondern beginnt zu nähren.


Phase 2: Bewusstsein für ein gesundes YANG entwickeln

YANG bedeutet nicht gleich Ausbrennen oder Hustle.

Während YIN für Weite, Empfangen und Reflexion steht, ist YANG die konzentrierende Kraft. Es sammelt, bündelt und richtet Energie aus. Ein gesundes YANG sorgt dafür, dass Ideen nicht nur in der Gedankenwelt bleiben, sondern Struktur, Form und Substanz bekommen.

YANG bringt uns in die Umsetzung:

  • YANG ist unser inneres Feuer, unser Wille und Leidenschaft.

  • YANG gibt uns Fokus, Struktur und Disziplin.

  • YANG hilft uns, Grenzen zu setzen und Entscheidungen zu treffen.

  • YANG unterstützt uns in die Zukunft zu blicken, Pläne zu schmieden und strategisch vorzugehen.

Doch genau hier liegt die Herausforderung: Ein unausgeglichenes YANG drängt zum ständigen Tun und treibt uns bis in die Erschöpfung. Wenn YANG nicht mit YIN ausbalanciert wird, führt es zu einem Gefühl von Überforderung, Druck, Zwang und endloser To-Do-Listen, die nie abgearbeitet werden können.

Ein gesundes YANG hingegen ist präsent, klar und innerlich ausgerichtet. YANG ist die Raum haltende Kraft, die dem weiblichen YIN ermöglicht, sich auszudehnen, in den Fluss zu kommen, die Fühler in alle Dimensionen auszustrecken und Ideen, Reichtum und Inspiration zu sammeln.


Phase 3: Der Tanz zwischen den Polen üben

Die Kunst liegt darin, Yin & Yang in Balance zu halten. Zu wissen, wann es Zeit ist, in den Fokus zu gehen – und wann es smart ist, sich zurückzulehnen und den nächsten Impuls entstehen zu lassen.

YIN bringt Ideen, aber YANG bringt sie in die Welt.

Wie kannst du die Balance zwischen YIN & YANG konkret umsetzen?

Schaffe Räume für dein YIN:

  • Plane bewusste Momente der Ruhe & Regeneration in deinen Arbeitsalltag ein. Z.B:

    • Morgens nicht direkt in Mails & To-dos springen, sondern mit Journaling, Prayer oder Meditation beginnen.

    • Zyklische Planung nutzen: Arbeitspläne nach Mondzyklen, Jahreszeiten oder deinem individuellen Energielevel anpassen.

    • Kein schlechtes Gewissen für Pausen – sie sind essentiell für langfristige Kreativität & Leistung.

    • Find JOMO – das neue YOLO - the Joy Of Missing Out! Du musst nicht auf jeder Hochzeit tanzen.

  • Höre bewusst auf die Signale deines Körpers:

    • Wann fühlst du Widerstand?

    • Wann fühlst du ein klares JA?

    • Wann bist du müde, aber zwingst dich weiterzumachen?

    • Wann brauchst du Raum, Inspiration & Reflexion?

YANG gezielt einsetzen – für Fokus, Umsetzung & Klarheit

Struktur gibt Freiheit. Uff, das wollte ich nie hören. Aber es ist so! Ich sehe es mittlerweilen so, dass Struktur und Organisation mir den Rücken frei hält, damit meine innere Künstlerin frei sein darf.

  • Also, setze dir bewusst Zeiten für Deep Work & Fokus. Liste dir alles auf, was zu tun ist. Sortiere es in Themen und mache eine Timeline. Statt ständigen Multitaskings arbeite in klaren Blöcken mit definierten Tasks.

  • Setze klare Grenzen:

    • Wann ist deine Arbeitszeit – wann nicht?

    • Welche Dinge sagst du bewusst ab?

    • Wie kannst du dich organisieren, dass es dich entspannt?

  • Frage dich regelmässig:

    • Wie kann ich mir und meinem Nervensystem ein Gefühl von Sicherheit geben?

    • Was hilft mir den Überblick zu halten?

    • Wie kann ich aus Selbstliebe zu mir, mir den Rücken frei halten?

    • Was ist mein nächster konkreter Schritt?

    • Welche Struktur hilft mir, meine Ideen und Visionen umzusetzen?

    • Wo und durch welche Entscheidung oder Kommunikation kann ich noch mehr Klarheit generieren?

    • Was ist meine längerfristige Vision, und wo führt mein Weg hin?

Dein individueller Business-Rhythmus – dein eigener Weg

Jede Frau, jede Selbständigkeit, jedes Business ist ganz unterschiedlich. Es gibt keine genaue Anleitung für diesen fliessenden Tanz. Das einzige was ich dir sagen kann ist:

  • Sei achtsam, in jedem Moment. Beobachte, fühle, spüre, nimm wahr. Was braucht es jetzt in diesem Moment? In diesem Projekt? In dieser Entscheidung? In dieser Phase?

  • Lasse die Dinge auch mal ruhen und wirken und warte auf den nächsten Moment und Impuls.

  • Manche Zeiten aber auch Prozesse oder Entscheidungen sind voller Kraft, Feuer, Fokus, Klarheit & Umsetzung (Yang). Andere erfordern mehr Ruhe, Abwarten, Reflexion & Empfangen (Yin).

  • Du kannst diesen Tanz ganz deinem eigenen energetischen Zyklus anpassen.

  • Es gibt keine fixe Strategie, sondern es ist ein lebendiger Prozess.

  • Und das wichtigste: Erwarte nicht, dass du irgendwann eine 100% Balance erreichen wirst. Finde dich damit ab, dass dieser Weg, dieser Tanz für immer ein Teil des Lebens sein wird und täglich und in jedem Moment dein bewusstes Spüren & Wahrnehmen braucht.

Lasse uns weiter eintauchen in diese spannende Matrix der Selbständigkeit!

Von Herzen,
Sonja

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Kleines Lexikon der holistischen Arbeitsweise